
KULTURKALENDER
Fürstliches Vergnügen in Ludwigs Park
Dienstag, 31. MärzLudwigsberg, Ludwigspark, Torhaus: Wer im Saarland diese Ortsbezeichnungen hört, der mag an Fußball, an Autoverkehr oder vielleicht an Industrie- und Gewerbeanlagen denken. Dabei verdankt der Ort im Norden der Landeshauptstadt seine Namen einem ganz anderen Hintergrund,
Es sind Gegebenheiten, die in einer lange verschwundenen Vergangenheit liegen. Auf dem Saarbrücker Ludwigsberg befand sich nämlich im späten 18. Jahrhundert eine der bedeutendsten Gartenlandschaften Südwestdeutschlands. Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken hatte sie zwischen 1769 und 1791 in der Nähe seiner Residenzstadt errichten lassen.
Die erste wissenschaftliche Monografie über den historischen Ludwigsberg, die im Rahmen der Schriftenreihe „ECHOLOT. Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken“ erscheint, wurde nun von Minister Stefan Mörsdorf der Öffentlichkeit vorgestellt. „Die reiche Geschichte des Saarlandes ist immer wieder Gegenstand historischer Forschung. Interessant ist sie aber nicht nur für Fachkreise – insbesondere für die Saarländerinnen und Saarländer und für Ihre Gäste aus Nah und Fern ist es spannend, mehr über die großen und kleinen Geschichten unserer Heimat zu erfahren.“
Rund um ein kleines Lustschloss, das nach den Entwürfen des großen Barockbaumeisters Johann Friedrich Stengel geschaffen worden war, entstand in zwei Jahrzehnten ein Gartenreich, dessen Anfänge noch von der Kultur des Rokoko beeinflusst waren, das schließlich aber auch einen der ersten Englischen Gärten Deutschlands beherbergen sollte. Neben dem fürstlichen Maison de plaisance enthielt der Ludwigsberg noch eine Fülle weiterer Gebäude und Monumente, die der Unterbringung oder der Unterhaltung des Saarbrücker Hofstaats dienten. Erschlossen war das etwa 100 Hektar große Gebiet durch ein ausgedehntes Wegesystem, das zu Weihern und Bächen, zu Tälern und Hügeln, zu Chinesischen Türmen und ägyptischen Pyramiden, zu Moscheen und Kapellen führte.
Der Ludwigsberg war im Grunde die ganze (adelige) Welt in einem Park, in dem man die Zeiten und Kulturen, die fremden Länder mit ihren Figuren durchstreifen konnte. Es war mithin ein nahezu perfekter Ort fürstlichen Vergnügens, mit seinem Abwechslungsreichtum, seinen Spielmöglichkeiten und seinen ‚Spezialeffekten’ fast so etwas wie ein frühneuzeitliches Disneyland.
Hintergrund
In der vorliegenden Dissertation der Saarbrücker Kunsthistorikerin Minoti Paul wird diese verschwundene spätbarocke Kunstwelt der Ludwigsberger Gärten erstmals ausführlich untersucht. Das umfangreiche Bild- und Quellenmaterial, das die Autorin dafür herangezogen hat, reicht von der zeitgenössischen Literatur zur Gartenarchitektur über die erhaltenen Baukassenrechnungen und Landschaftspläne bis zu den 50 Miniaturen, die der Saarbrücker Hofmaler Johann Friedrich Dryander angefertigt hat. Auf ihnen sind viele Details des Ludwigsbergs und seiner Anlagen festgehalten; nicht zuletzt mit ihrer Hilfe lässt sich die spannende Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Ludwigsbergs vom Rokokogarten über den Jardin anglo-chinois bis hin zum englischen Landschaftsgarten plastisch nachvollziehen.
Gut 200 Jahre, nachdem der Ludwigsberg 1793 in den Revolutionswirren untergegangen ist, ist es auf diese Weise nicht nur gelungen, die historische Gartenlandschaft detailliert zu rekonstruieren. Damit konnte Minoti Paul auch einer der bedeutendsten historischen Gartenanlagen der Großregion endlich den ihr gebührenden kunstgeschichtlichen Platz zuweisen – und sie ermöglicht den Leserinnen und Lesern tiefe Einblicke in die Kultur und die Lebenswelt am Ende des saarländischen Ancien Régimes.
Minoti Paul
Der Ludwigsberg
Fürstliche Gartenkunst in Saarbrücken (1769-1793)
ECHOLOT. Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken, Bd. 8
392 Seiten, Hardcover
Mehr als 200 Farb- und SW-Abbildungen
ISBN: 978-3-9811672-1-4
Preis: 29,80 €
Erscheint am 31. März 2009





