
KULTURKALENDER
„Freunde kann man sich aussuchen, Brüder nicht“
Samstag, 25. AprilJörg Mandernach und Keith Weissenhofer über das Leben als Maler und Mitglied der Künstlergruppe WEISSENHOFER
Sie gründeten mit zwei Künstlerkollegen die Gruppe WEISSENHOFER. Betrachtet man sich die imposante Zahl von Beiträgen über Ihr effektvolles Wirken in der Öffentlichkeit, bleibt die Frage: Lag das in Ihrer Absicht, durch bezaubernde Aktionen die Aufmerksamkeit der Medien zu erhaschen? Was vielleicht jedem einzelnen von Ihnen als Maler nicht auf Anhieb gelungen wäre. Muss man heute notwendig Köder auslegen, wenn man als Maler wahrgenommen werden will? Oder ist es ganz anders, gehört es zum künstlerischen Konzept?
Jörg Mandernach: Uwe Schäfer, Matthias Beckmann und ich hatten schon zu Akademiezeiten viel Austausch.Nach dem Studium hatten Uwe Schäfer und ich ein gemeinsames Atelier, wo man sich ganz selbstverständlich mit der künstlerischen Arbeit des anderen auseinander setzte, diskutierte, aber auch Feste feierte. Matthias Beckmann war sehr oft zu Besuch, arbeitete und feierte mit. Relativ schnell entstand der Wunsch auch zusammen auszustellen, so dass sich die Gründung einer Künstlergruppe fast automatisch ergab.Die Idee, Künstlerlegenden und –strategien zu paraphrasieren (parodieren?) ergab sich mit der Zeit. Ob man das so, wie eben beschrieben machen muss, oder was man heute überhaupt machen muss, um wahrgenommen zu werden, dafür habe ich auch kein Rezept.„Den Maler, bzw. Künstler“ gibt es ja nicht. Jede Kollegin, jeder Kollege hat ein anderes Temperament. Es gibt die, die introvertiert, fast versteckt arbeiten und die, die eher laut sind... Wichtig ist, dass die Art und Weise, wie man etwas präsentiert mit der Arbeit und einem selbst übereinstimmt. Etwas nur aufgrund von strategischen Überlegungen zu machen funktioniert für mich nicht. Bei einem Künstler, wie Jonathan Meese z.B. ist PR Bestandteil der künstlerischen Arbeit. (Ich fand es interessant, ihn mal persönlich zu erleben und war erstaunt, wie sympathisch und charmant er war. Ganz anders, wie ich es aufgrund seiner martialisch wirkenden Arbeit vermutet hätte…)
Braucht man heute als Künstler eine Strategie oder genügt ein Galerist?
Jörg Mandernach: Es hilft, wenn man in der Lage ist, über das, was man bildnerisch formuliert, auch sprachlich Auskunft geben zu können (was nicht bedeutet, dass ein Bild durch Sprache ersetzt werden kann…). Künstlerisch arbeiten, heißt nicht nur handwerklich zu produzieren, sondern auch, seine Arbeit gedanklich und sprachlich zu reflektieren. Trotzdem sollte ein Bild immer noch ohne die Auskünfte des Autors, der Autorin dialogfähig sein.Die Vermittlungsarbeit übernimmt im Idealfall der Galerist bzw. die Galeristin und hält einem so den Rücken für die künstlerische Arbeit frei.
Warum immer noch als Künstlergruppe? Ist das nicht eine allzu instabile Angelegenheit, gerade wenn drei das Gleiche – Malerei – machen und das Gleiche – Glück, Glanz, Ruhm – wollen?
Jörg Mandernach: Da wir uns schon lange kennen und wir befreundet sind, haben wir ein gutes Vertrauensverhältnis, das schon manche (wichtige) Auseinandersetzung überstanden hat. Insofern ist es eine stabile Angelegenheit. Wir machen nur „fast“ das Gleiche:Beckmann zeichnet, Schäfer zeichnet und malt, ich arbeite eher medienverbindend. Auch sind unsere Motive und künstlerische Haltungen unterschiedlich. In der Gruppe kann sich so der Eine vom Anderen anregen lassen. Und als WEISSENHOFER machen wir oft Gemeinschaftsarbeiten, die wir als Einzelne nicht machen würden.
Hier schaltet sich Keith Weissenhofer, Mandernachs Alter Ego ein
Keith Weissenhofer: Freunde kann man sich aussuchen, Brüder nicht.
Da fällt mir ein, warum nannten Sie sich nach einem Stadtteil Stuttgarts? Der Farbe wegen?
Jörg Mandernach: Die Stuttgarter Akademie, wo wir uns kennengelernt haben, hat die Adresse: Am Weißenhof 1 (in unmittelbarer Nachbarschaft zur berühmten Weißenhofsiedlung).
Keith Weissenhofer: Dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Um es noch einmal ganz klar zu sagen: der Weissenhof liegt im Wallistal, das Leben dort war eine Qual...
Sie machen mit der Gruppe WEISSENHOFER auch Musik. Ist Musik immer noch der solideste Weg zum Ruhm für Absolventen von Kunstakademien wie seit je her es die Beatles und die Rolling Stones, Travis oder Franz Ferdinand unter Beweis stellen?
Jörg Mandernach: Ob man das, was wir machen Musik nennen kann, müssen andere beurteilen. Es geht mehr um eine Performance, bei der Rockmusikerattitüden eine Rolle spielen.
Keith Weissenhofer: ...Rolling Stones, davon hab ich schon mal gehört… das sind, glaub ich Briten, die versucht haben amerikanischen R’ n’ B nachzuspielen…Uns WEISSENHOFERN ging es nie um Ruhm, sondern darum, den kargen Lebensunterhalt unserer Eltern aufzubessern. Daran denken die meisten jungen Künstler von heute viel zu wenig.
Wie stehen Sie zur Spielart des Art School-Rock?
Keith Weissenhofer: Was ist das?
Jörg Mandernach: Was ist das?
So was wie eine schuleigene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Künstler, die kein Interesse am Malen oder so was haben…
Wo bleibt also das Kerngeschäft, Malerei und Zeichnung? Und was fordert Sie heraus und auf welche Weise nehmen Sie diese Herausforderung an?
Jörg Mandernach: Sich über Präsentation der eigenen Arbeit Gedanken zu machen, gehört auch zum Kerngeschäft. Der Ausstellungsort ist für mich nicht nur ein Raum, wo ich meine Bilder aufhängen kann, sondern auch direkter Bildträger. Dass ich „live“ vor Ort auf Wände und in den Raum male und zeichne, bedeutet für mich immer wieder eine Herausforderung, aber auch Anreiz und Stimulans. Auch, dass die Arbeit nur während der Ausstellungszeit existiert, ist ein Teil des „Live – Erlebnisses“. Nach der Ausstellung bleibt von der Arbeit nur noch die Dokumentation. Das als exemplarisches Beispiel für viele Herausforderungen...
sg
Jörg Mandernach, 1963 in Saarbrücken geboren, lebt in Stuttgart; 1986-191 Studium an der Kunstakademie Stuttgart, 193-95 Atelierstipendium der Kunstakademie Stuttgart, 1995 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, Debütantenförderung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, 1996-98 Graduiertenstipendium des Landes Baden-Württemberg, 2000 Stipendium Kavalierhaus Langenargen am Bodensee, 2001 Stipendium der ZF Friedrichshafen AG, 2004 Förderpreis des Künstlerbundes Baden-Württemberg, seit 2000 Dozent an der Kolping Kunstschule in Stuttgart, 2005-2007 Lehrauftrag an der Universität Tübingen.
Ausstellung von Jörg Mandernach „Im Garten der Zeichen – slight return“ in der Galerie des Saarländischen Künstlerhauses bis zum 3. Mai, 66111 Saarbrücken, Karlstraße 1. Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Künstlergespräch und Katalogvorstellung mit Jörg Mandernach am Dienstag, den 28. April um 15 Uhr im Saarländischen Künstlerhaus.
Vortrag von Jörg Mandernach über die eigene künstlerische Arbeit und die der Künstlergruppe Weissenhofer am Dienstag, den 28. April um 18 Uhr in der Aula der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Keplerstraße 3-5, 66117 Saarbrücken





