
KULTURKALENDER
Drei mal Drei in drei Jahren
Montag, 20. AprilDie Reihe „Jazz-Pianotrios“ in Neunkirchen setzt auf Differenz im Gleichartigen
Jazz in Neunkirchen ist ein altes Ding. Seitdem der vor ein paar Jahren verstorbene Pianist Jonny Kowa in den ersten Nachkriegsjahren im Neunkircher Gasthaus Müller zum ersten Mal in die Tasten griff, gehört der Jazz dazu. Mochte auch die Stadt nach der Stilllegung ihres Eisenwerks notwendig sich vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum wandeln, die Tradition des Jazz blieb ungebrochen. Auf Wolfgang Kowatsch, der sich „Jonny Kowa“ nannte, weil sein richtiger Name für Amerikaner ein wahrer Zungenbrecher war und der nebenfalls vor einigen Jahren verstorbenen Walter Schubert folgte eine jüngere Generation, angefangen von Amby Schillo und den in München bei Joe Haider ausgebildeten Pianisten, Gitarristen und Musiklehrer Bernd Sommer über die heute aus der Szene nicht mehr wegzudenkenden Susan und Martin Weinert oder Ro Gebhardt. Damit diese Struktur nicht nur erhalten, sondern auch beweglich bleibt und nicht zum Mausoleum der Jazz-Zombies verkommt, gründete sich in den Neunzigern der Förderverein Jazz. Sein Auftrag, alles, was zwischen den Extremen Dixieland und Free Jazz spielt, auf die Bühne der Stummschen Reithalle zu holen. Dabei ließ sich der Vorstand um den zudem in Diensten der Neunkircher Kulturgesellschaft stehenden Klaus Brasse und Mario Orsini nicht von dem grassierenden Festival-Zwang blenden. Anstatt an einem Wochenende vier Bands spielen zu lassen, verteilten sie die Auftritte über ein Vierteljahr verteilt. Der Jazz-Förderverein dosierte die Mischung klug und leistete damit einen Dauerversorgung mit Jazz, die nachhaltiger wirkt als manche Überdosis Jazz, die an zwei, drei Tagen an einem Ort geboten wird. Da jedoch auf Dauer sich etwas ändern muss, damit es spannend bleibt, entwickelte der Verein in Zusammenarbeit mit der Neunkircher Kulturgesellschaft und der Unterstützung der Sparkasse Neunkirchen das Projekt „3x3 Jazzpianotrios“. Drei Trios spielen jeweils in einem Jahr auf. Auf magische drei Jahre ist das Programm ausgelegt. Zum Auftakt im Februar lud man das Julia Hülsmann-Trio in die Stummsche Reithalle und ließ auf den lyrischen Konsens-Jazz mit Hang zum Kunsthandwerklichen das Trio ELF folgen. Akustisch gespielter, mit Samples angereicherter Nu Jazz, der dem Electronica-Großmeister Aphex Twin huldigte und auch nach dem zweiten Auftritt in Neunkirchen, angetan war, alle Schlacken und harmonischen Zierrat spielfreudig zu entsorgen. Mit dem Christop Stiefel-Trio aus der Schweiz endete der Piano-Dreier für diese Saison und wird, so viel steht fest, eine weitere Variante auf dem Gebiet des Jazzpiano-Trios vorstellen.
Christoph Stiefel Trio „Inner Language“ Mit Christoph Stiefel (Klavier), Thomas Lähns (Bass), Marcel Papaux (Schlagzeug)
Tickets: 10 Euro (Vorverkauf), 12 Euro (Abendkasse)
www.nk-jazz.de; Ticket-Hotline: 06 81-5 88 22 222





