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KULTURKALENDER

 

Die Berliner Simulation

Montag, 6. April


Wie Künstler aus dem Saarland zu Berlinern wurden

Dass Künstler, die lange nach dem Fall der Berliner Mauer in die Stadt kamen, um fort an dort Kunst zu machen, dazu taugen, diese Stadt aus Anlass des 20. Jahrestages des Mauerfalls anderswo zu repräsentieren, bezeugt Sinn für Komik, wenn nicht gar Weltweisheit. Derart: eh wurscht, woher einer kommt, kann eh keiner überprüfen. Und wer will das schon in einem Hotspot der zeitgenössischen Kunst wie Roubaix, das gewiss zurecht wegen seiner ruppigen Straßenverhältnisse und rauem Klimas bei Radrennfahrern im Rang der „Hölle des Nordens“ steht.

„Ici Berlin!“ vermeldet dort nun eine Ausstellung im Kulturzentrum Condition Publique und versammelt aktuelle Positionen der Berliner Kunstszene. Zusammengestellt von der Saarländischen Galerie und dem Kunstverein Tiergarten repräsentieren mehr als ein Dutzend Maler, Fotografen, Video- und Performancekünstler die Berliner Szene und das aus Anlass des Mauerfalls. Kurios genug, da die meisten der Teilnehmer waschechte Saarländerinnen und Saarländer sind bzw. hier ihre Künstlerlaufbahn starteten und mehr oder weniger seit einigen Jahren in Berlin leben. Die Mauer hat hier kaum einer noch selbst erlebt. Warum man sie daher mit dem Mauerfall in Verbindung bringt, wir auf ewig ein Rätsel bleiben. Nicht zuletzt dankt sich dieses Gastspiel im Großraum Lille deren Verbindung mit der Saarländischen Galerie.

Etikettenschwindel!

Aber ja, und einer der in seinem verzweifelten Streben die saarländischen Ursprünge abzustreifen tragikkomische Züge trägt:  Wahlberliner wollen der saarländischen Provinz zu entsagen und vertrauen dafür auf deren Netzwerke. Aber anstatt in die nächstbeste Metropole, nach Paris oder Moskau zu gelangen,  landen sie in der nordfranzösischen Provinz.

Knapp vorbei ist auch daneben?

Aber nein, alles hat seine Richtigkeit. Es sind ja auch keine Berliner.