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KULTURKALENDER

 

Der Mann, der die Maler machte…

Donnerstag, 23. April


Boris Kleint - Werkverzeichnis II ist erschienen

„Er war ein guter Lehrer und ein guter Künstler“, sagt Jo Enzweiler über seinen Lehrer an der ehemaligen Staatlichen Werkkunstschule Saarbrücken, Prof. Dr. Boris Kleint. Der diplomierte Psychologe Kleint hatte Anfang der dreißiger Jahre die bereits eingeschlagene wissenschaftliche Laufbahn mit der Kunst getauscht und war in die private Kunstschule des ehemaligen Bauhausmeisters Johannes Itten in Berlin eingetreten. 1933 übernahm er deren Leitung dessen Assistent er geworden war. Dann kamen die Nationalsozialisten und damit war es mit dem Künstlerleben, zumindest des öffentlichen vorbei. Kleint, der 1903 im elsässischen Masmünster geboren wurde, wählte das Exil in Luxemburg.  

 

1939, als die Deutschen das Großherzogtum besetzten, ging er nach Saarbrücken und sicherte mit Radiovorträgen über Sachthemen den Lebensunterhalt. Im Stillen arbeitete er sich an die Kunst der Moderne heran und erwarb durch diese kontinuierliche Beschäftigung mit den Zeitstilen vom Tachismus Konstruktivismus, einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk von Kandinsky und Mondrian den entscheidenden Vorsprung vor seinen Zeitgenossen. Während direkt nach 1945 die gekappten Enden zur Kunst der verfemten Moderne mühsam wieder aufnehmen mussten, war Kleint auf der Höhe der Zeit.  

 

Als er 1946 eine Professur für Malerei an der neugegründeten Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk übernahm, gehörte er zu den wichtigen Malern seiner Zeit. Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes zeigten seine Bilder, die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden stellte ihn zusammen mit Itten, Max Ackermann und Friedrich Vordemberge-Gildwart aus, darüber hinaus bestanden Kontakte zu Pariser Galerien. Als Lehrer bildete er die nach dem Krieg an die Schule gekommene junge Künstlergeneration aus, darunter wichtige saarländische Künstler wie Leo Erb, Oskar Holweck, der als sein Assistent später die von Kleint geschaffene Bildlehre zur über viele Jahre die Kunst- und Designausbildung im Saarland prägende Grundlehre weiterentwickelte, Hans Dahlem, Kilian Breier, Jo Enzweiler und die Malerin Galli.  

 

1957 rief er zusammen mit Erb, Holweck und Bernhard Engert die „neue gruppe saar“ ins Leben und ein reger Austausch mit anderen Künstlergruppen dieser Jahre begann. Man kam in Kontakt mit der gerade in Düsseldorf entstehenden ZERO-Bewegung und nahm an einer der legendären Abendausstellung im Atelier von Otto Piene und Heinz Mack teil. Kleint, Holweck und Breier stellten in der Folgezeit mit ZERO aus. Kleint schloss sich überdies der Gruppe Maß/Groupe Mésure  sowie der groupe de recherche d’art visuel (GRAV) in Paris an.  

 

„Er hat uns Freiheit gelassen, und das halte ich für sehr wichtig“, sagt Jo Enzweiler über die Studienjahre in der Klasse von Boris Kleint und nimmt allen Behauptungen die Spitze, die davon sprachen, dass Kleint seine Schüler zum ungegenständlichen Arbeiten gedrängt habe. Vor allem hat Kleint immer die jüngere Generation einbezogen. Kein Abschotten gegenüber der nachwachsenden Künstlergeneration, sondern gemeinsam mit ihnen sollte es in Richtung Kunst der Zeit gehen. Die „neue gruppe saar“ war ein solches Forum für zwei Künstlergenerationen. Hier sahen die Schüler oft genug zum ersten Mal die Arbeiten des Lehrers: Beweis genug für Enzweiler, dass er gerade seine Schüler nicht in seine Richtung drängen wollte, indem der Lehrer Kleint vermied, sich ihnen als Künstler und seiner Arbeit vorzustellen.  

 

Vor allem aber bewies er damit Aufgeschlossenheit gegenüber den Jüngeren und ihren Positionen, auch wenn es bedeutete, dass alsbald die Schüler die Richtung der „neuen gruppe saar“ bestimmten. Jo Enzweiler und Rolf Duroy, Horst Linn, Hans-Willi Scherf, Monika von Boch prägten die Ausstellungen der sechziger Jahre, nachdem sich Kleint zurückgezogen hatte. Alsbald konzentrierte sich die Künstlergruppe auf die Konstruktiv-Konkrete Kunst und fand 1969 in der neugegründeten Galerie St. Johann ihren Ankerpunkt. Im der Galerie angeschlossenen Kunstbuch-Verlag Sankt Johann erschien soeben der zweite Band des Werkverzeichnisses, das die Produktion der Jahre 1933 bis 1992 umfasst.  

 

2003 war an selber Stelle bereits Band 1 erschienen. Für dessen Inhalte und dessen wissenschaftliche Betreuung sorgte damals wie jetzt das Institut für aktuelle Kunst im Saarland. Das von Jo Enzweiler 1993 gegründete An-Institut der Hochschule der Bildenden Künste Saar hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Kunst und Künstler im Saarland seit 1945 sowie die Kunst im öffentlichen Raum ein Archiv anzulegen. Informieren, Archivieren, Publizieren, diesem Dreiklang folgt das in Saarlouis sitzende Institut und arbeitet davon geleitetet seit seinen Anfängen konsequent die jüngere saarländische Kunstgeschichte auf. Eine Interviewreihe, deren erster Band den 1996 verstorbenen Boris Kleint vorstellte, sichert die Aussagen im Saarland arbeitender Künstler. Seit einiger Zeit bedenkt man auf dieser Weise auch die saarländischen Architekten. Dazu kommen zahlreiche Publikationen zu monographischen Themen oder Dokumentationen zur Kunst im öffentlichen Raum.  

 

Für Jo Enzweiler, einst Schüler Kleints und heute einer der wichtigsten Kunstvermittler im Saarland ist „es eine persönliche Verpflichtung, ihm das, was er mir als Lehrer gegeben hat, nun zurückzugeben.“  

 

Die Präsentation des Werkverzeichnisses im Sparda-Bank-Kunst-Raum Saarbrücken war begleitet die Neuerwerbung  des Kleint-Gemäldes „Phönix, Schau Nr. 6“ für die Sammlung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank Südwest eG.    

 

Boris Kleint – Malerei Glasbilder Plastische Bilder Stelen Kunst im öffentlichen Raum 1993 – 1992. Werkverzeichnis Nr. 2 216 Seiten, 659 Farb- und 29 S/W-Abbildungen. 28,5 x 21 cm. Buchverlag St. Johann, Saarbrücken: 2009  

Preis: 49 Euro ISBN Nummer 3-938070-36-6  

www.institut-aktuelle-kunst.de; www.galerie-st-johann.de; Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kunstraum-saarbruecken.de;