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KULTURKALENDER

 

Der Donnersberg - Eine bedeutende spätkeltische Stadtanlage

Freitag, 6. Februar


Aufgrund von Funden, die aus archäologischen Grabungen stammen, aber vielfach auch die Erträge von Flurbegehungen durch interessierte Bürger darstellen, sind wir über die vorgeschichtliche Besiedlung der Pfalz recht gut informiert.

Um 800/750 v. Chr. ist ein Kulturwandel festzustellen – das Eisen hält seinen Einzug, auch in der Pfalz. Stellen die Funde der frühen Eisenzeit wohl noch größtenteils eingehandelte Fertigprodukte dar, so entwickelt sich im Laufe dieser Epoche, der sog. Hallstattzeit (benannt nach einem wichtigen Fundort in Österreich, nahe des Ortes Hallstatt) langsam die Kenntnis der Eisengewinnung und –verarbeitung. Der Pfälzer Wald bietet hierfür auch eine ganze Reihe von Rohstoffquellen, die mit der Zeit systematisch ausgebeutet werden. Dies führt dazu, dass mächtige Clan- oder Stammesführer, die die Eisengewinnung und –verarbeitung kontrollieren, nun in der Lage sind, sich regelrechte „Residenzen“ mit einer beachtlichen Bevölkerung aufzubauen – die Heidenmauer bei Bad Dürkheim, eine mit einer eindrucksvollen, mächtigen Steinmauer umgebene Siedlung auf dem Berg über der heutigen Stadt, legt davon beredtes Zeugnis ab.

In der späten Hallstattzeit, um 500 v. Chr., gibt es offenbar einzelne reiche „Fürstengeschlechter“, die sich prunkvolle Bestattungen leisten konnten – in der Regel in hölzernen Grabkammern, die von einem Hügel überdeckt waren. So fanden Bahnarbeiter im späten 19. Jhd. beim Bau der Eisenbahnstrecke südlich von Bad Dürkheim zufällig das Grab einer reich ausgestatteten „Fürstin“. Nicht alle Funde sind wohl in Speyer abgeliefert worden, aber im Historischen Museum Speyer kann man noch heute die prunkvolle Ausstattung dieses Grabes bewundern – unter anderem war der hier bestatteten Frau – neben reichem Goldschmuck – ein Bronzekessel samt Dreifußgestell mit ins Grab gegeben worden, der unzweifelhaft in einer etruskischen Werkstatt im heutigen Norditalien hergestellt worden war. Die Fürsten der späten Hallstattzeit pflegten ganz offenbar gute Kontakte zu ihren „Nachbarn“ südlich der Alpen.

Im Verlauf der Eisenzeit, in der nun alle Waffen wie Schwerter, Dolche, Lanzenspitzen, aber auch Nägel oder Gewandspangen (die sog. Fibeln) aus Eisen hergestellt wurden, erwuchs die Kulturstufe, deren Vertreter wir heute als die „Kelten“ kennen. Allerdings waren die Kelten nie ein wirkliches Volk, sondern setzten sich aus vielen einzelnen Stämmen zusammen, verstanden sich auch nicht als kulturelle Einheit (als solche wurden sie uns von römischen Geschichtsschreibern überliefert…), sondern bekriegten sich häufig und erbittert. Im Verlauf der mittleren und jüngeren Eisenzeit (ab ca. 450 v. Chr.) entwickelte sich aber in allen keltischen Stämmen eine spezifische Formensprache bei den Keramikgefäßen, den Waffen und vor allem im Bereich der Schmuckherstellung aus Bronze, Gold und Glas. Hier waren die Kelten wahre Meister, wovon zahlreiche Funde aus der Pfalz ein lebendiges Bild zeichnen.

Die bedeutendste Siedlung der keltischen Zeit wurde erst im letzten Abschnitt der keltischen Epoche erbaut. Es handelt sich um die stadtartige Großsiedlung auf dem Donnersberg bei Kirchheimbolanden. Wohl etwa um 130 v. Chr., nach den Funden zu urteilen, wurde hier um eine Siedlungsfläche von insgesamt 240 ha eine 8,5 km lange, bis zu viereinhalb Metern hohe Stadtmauer aus trocken aufgeschichteten Steinen und hölzernen Einbauten errichtet. Die Stadt auf dem Donnersberg ist eine der größten spätkeltischen Ansiedlungen überhaupt nördlich der Alpen. Wenngleich sie nicht viel länger als etwa 70–80 Jahre Bestand hatte, zeugt sie doch von den enormen baumeisterlichen Fähigkeiten der Kelten, die es verstanden, die vorhandenen Ressourcen – Steine und Holz – meisterlich zu einem heute noch beeindruckenden Bauwerk zu verarbeiten.

Die Funde vom Donnersberg erzählen vom vielschichtigen Leben in einer solchen keltischen Stadt. Hier wohnten Handwerker, die Schmiedeerzeugnisse wie Werkzeuge, Waffen und Pferdegeschirr herstellten; Künstler, die hochwertigen Schmuck und Zierelemente für Möbel, Trinkgefäße oder Waffengehänge kreierten; dazu Händler, die von fern kommende Waren weiterverkauften und auch Bauern, die die Erträge ihrer Äcker auf den regelmäßig stattfindenden Märkten dieses zentralen Platzes verkauften.

Wohl schon vor der Mitte des letzen Jahrhunderts v. Chr. dünnte die Bevölkerung im Umland des Donnersberges stark aus, was nicht zuletzt eine Folge der immer häufiger werdenden Germaneneinfälle von der rechten Rheinseite war, aber sicher auch durch die Bedrohung aus dem Süden (die Römer waren langsam aber stetig im Anmarsch…) bedingt wurde. Letztendlich sahen sich die Bewohner des Donnersberges ebenfalls gezwungen, ihre Stadt zu verlassen. Ohne Zulauf aus dem Umland konnte es weder Handel geben, noch war die Versorgung der Stadtbevölkerung durch Lebensmittel, die vormals von den Bauern der Vorderpfalz produziert worden waren, noch länger gesichert. So dürfte der Donnersberg längst eine Geisterstadt beherbergt haben, als Cäsar mit seinen Truppen daran vorbeizog – ohne den Donnersberg einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Mit der Auflassung der großen Stadtsiedlung auf dem Donnersberg endet letztlich auch die Geschichte der Kelten in der Pfalz. Vereinzelt blieben keltische Siedler bis weit in die ersten Jahrhunderte n. Chr. zwar hier, wurden aber recht bald von der römischen Kultur vereinnahmt, so dass im archäologischen Fundbild die letzten Spuren keltischer Pfalzbewohner bereits im Verlauf des ersten Jahrhunderts n. Chr. verschwinden.

Dr. Andrea Zeeb–Lanz
Der Donnersberg - Eine bedeutende spätkeltische Stadtanlage
(Speyer 2008) 78 S. mit 88 meist farbigen Abb.
ISBN-Nr. 3-936113-03-3