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KULTURKALENDER

 

40 von 60: Das Saarlandmuseum begeht das Jahr der Grafik

Dienstag, 21. April


Selbstporträt Erich Heckel

Erich Heckel: E. H., 1917 (c) Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen/Saarlandmuseum



Graphiken von Erich Heckel aus der graphischen Sammlung des Saarlandmuseums

   "Man muss wissen, was man mit der Ausstellung will“, sagt Dr. Dr. Anne-Marie Werner, Leiterin der Graphischen Sammlung des Saarlandmuseums und Kuratorin der aktuellen Ausstellung mit Graphiken von Erich Heckel, die in der Studiogalerie der Modernen Galerie ihren Platz gefunden hat. Kein Drauflos, munter Bilder an die Wand gehängt und sich der Fülle der 17.000 graphischen Blätter ergebend, die im Besitz des Saarlandmuseum stehen.   Nein, so nicht. Was ein Werk ausmacht, was eine bestimmte Werkphase auszeichnet und welche Bedeutung eine bestimmte Technik im Schaffen eines Künstlers hat, das in einer Ausstellung herauszuarbeiten, beschreibt den Ansatz der Kuratorin. Das zeichnet ihre Arbeit aus und sorgt regelmäßig für Ausstellungen, die dem Wissenden als Illustration dienen und den Interessierten, aber vielleicht noch Unkundigen, buchstäblich die Entwicklung eines Werks sehen lassen. So führte zum Jahreswechsel ihre Auswahl aus dem graphischen Werk Beckmanns dessen Entwicklung aus den Fängen des Spätimpressionismus, beeinflusst durch Kriegserlebnis sich zum Maskenhaften des Expressionismus entwickelte und daraus sein Weltbild fügte. Das ließ sich Bild für Bild nachvollziehen.  

Und nun Heckel. Auch hier zeigt man nicht wahllos, sondern wählte klug aus den Bestand des Hauses ausmachenden 60 Blättern 40 Stücke aus. So vermessen es wäre, hieraus das Werk des 1970 im Alter von 87 Jahren verstorbenen Malers zu erklären, so klug ist es, den Fokus auf die Zeit zu legen, in der er 1905 zusammen mit Ernst Ludwig Kirchner, Karl-Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl in Dresden die Künstlergruppe „Die Brücke“ gründete. Fortan zeichnete man Akt, aber verweigerte sich dem akademischen Zugriff, sondern versetzte die Modelle in Bewegung. Eine Viertelstunde stehen und dann bitte die nächste Pose einnehmen: Das galt für die Modelle und verlangten ihren Zeichner einen schnellen Strich ab. „Hier zeigt sich die Unmittelbarkeit, die der Malerei fehlt“, erinnert Anne-Marie Werner und legte darauf den Schwerpunkt ihrer Auswahl. „Hier ist die Zeichnung immer im Vorteil gegenüber dem gemalten Bild. Hier ist der Künstler ganz bei sich selbst.“ 

Wie Heckel seinen Figuren die Bewegung einschrieb und dabei den Tanz mit seinem unaufhörlich auswerfendem Motivvorrat nutzte, um die Figur im Raum zu fassen, das zeigt die Ausstellung ebenso wie seine von der Melancholie des Augenblicks zu einer von Krieg und Nachkrieg bestimmten Schwermut hinarbeitenden Menschendarstellung. Anne-Marie Werner spricht dabei von „Psychologisierung der Figuren“ in der Hinwendung Heckels zur Gestalt des leidenden Menschen und zugleich der Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, die er in seine die Eckigkeit der außereuropäischen Figurenzeichnung aufnehmenden Holzschnitte grub. Doch anstatt Ruhe offenbarte ihm die Stadt ihre Wunde und menschliches Leid. Mit Technik und Thema war Erich Heckel als Künstler ganz bei sich und der Betrachter mitten im „Brücke“-Stil, der bewegt, unakademisch sich der Figur des Menschen annahm.    

Dass man in Saarbrücken Heckel zeigt, kommt nicht von ungefähr und dankt sich nicht allein der vortrefflichen Sammlung der Malerei des Expressionismus in der Modernen Galerie. Anlass dazu gab auch das Jahr der Graphik, das die Leiter der graphischen Sammlungen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz ausriefen. Dies geschah, um die Graphik ins Licht zu setzen, das wiederum ihre dauerhafte Erscheinung in den Sammlung verhindert. Denn bestenfalls können graphische Werke drei Monate am Stück gezeigt werden, um dann aus konservatorischen Gründen zwei Jahre sich davon im Depot im Dunkeln zu erholen, erklärt Anne-Marie Werner. Um das meist Verborgene zu feiern, rief man das „Jahr der Graphik“ aus.  

Das ist nicht allein auf das Betrachten, sondern auch auf das Machen ausgelegt. Vom 24. bis zum 26. April lädt das Saarlandmuseum zu einem Wochenende rund um das Papier ein. Unter dem Titel „Druckfrisch!“ ist die mobile Werkstatt des Deutschen Zeitungsmuseum Wadgassen in der Modernen Galerie zu Gast.   Das Papier-Wochenende beginnt am Freitag, den 24. April mit Führungen durch die Heckel-Ausstellung für Schulklassen in der Zeit von 8 bis 14 Uhr. Im Anschluss daran wartet auf die Schülerinnen und Schüler ein Druckworkshop. Aktiv geht es von 15 bis 18 Uhr weiter, wenn sich Jugendliche unter Anleitung in Drucktechniken und im Papierschöpfen erproben können. Unkostenbeitrag: 5 Euro.  

Das Programm an Samstag und Sonntag, am 25. und 26. April ist in der Zeit von 10 bis 18 Uhr ganz auf Familien abgestimmt. Druckworkshops, die Arbeit an einer Radierpresse, Papierschöpfen lauten die Angebote in der Druckwerkstatt im Foyer der Modernen Galerie. Der Unkostenbeitrag beträgt 5 Euro.   Wer lieber schauen will, für den ist die Präsentation zur Geschichte der Graphischen Sammlung des Saarlandmuseums an gleicher Stelle oder lässt sich um 11, 13, 15 und 17 Uhr durch die Ausstellung Erich Heckel führen.   Information und

Anmeldung unter 06 81-9964-279 oder koch(at)kulturbesitz.de Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://saarlandmuseum.de