Saarland Online
 

Leseprobe Wissen Ausgabe 21

Nature works!

Foto: Prof. Dr. Peter Theiss ©privat

Ein Porträt des Pharmazeuten und Unternehmers Prof. Dr. Peter Theiss

 

Im Griechischen hat das Wort Pharmakon die Doppelbedeutung von Arznei und Gift. Arzneien sind
häufig Geschenke mit unliebsamen Nebenwirkungen. Man kann ohne zu übertreiben die Ur-Intuition
des jungen Peter Theiss darin sehen, gegen die unheilvolle sprachliche Allianz von Arznei
und Gift den viel sympathischeren Bedeutungshof des Wortes Heilkraut wiederentdeckt zu haben.
Manchmal gibt die Sprache den Fortschritt vor. Doch der Reihe nach.

 

Ich warte im Foyer des neu errichteten Werkes. Eine riesige Fensterfront gibt den Blick frei auf die Abfüll- und Verpackungsanlagen, die von Frauen und Männern in Weiß bedient werden. Selten ist mir die Idee der Transparenz so augenscheinlich geworden. Eine junge Mitarbeiterin holt mich ab. Wir fahren im gläsernen Aufzug nach oben, passieren einen langen Flur, dann stehe ich plötzlich in der Toskana: ein Raum, dessen Fußboden und Wände aus Olivenholz gefertigt wurden.

 

Eine Italiensehnsucht überfällt mich mitten im grauen und trostlosen Homburger Industriegebiet. Dr. Peter Theiss,vor Monaten vom Ministerpräsident Peter Müller zum Honorarprofessor ernannt, erwartet mich. Mir fallen die strahlend blauen Augen auf, die von einem Sakkoin exakt der gleichen Farbe kommentiert werden. Auch der toskanische Himmel ist also vor Ort. Der italienische Espresso versteht sich von selbst. Und Oliven natürlich. Meine Verwunderung ist nicht klein, als ich zu Beginn des Gesprächs erfahre, dass Peter Theiss während seiner fünf Forschungsjahre im Max-Plank-Institut und während eines Stipendiums in Kyoto sehr intensiv über Neurotransmitter im Gehirngeforscht hat. Der allgemeine Zeittrend der 70er Jahre, der unter dem Stichwort New Age nur unvollkommen eingefangen wird, und positive Erfahrungen mit der Naturmedizin leiten eine Lebenswende ein:

Peter Theiss forscht nicht länger über Psychopharmaka, sondern übernimmt die väterliche Apotheke in Homburg, mischt Kräutertees und rührt Ringelblumensalben an.

 

„Es sprach sich schnell herum, dass ich die Menschen ernst nehme, wenn sie mich nach Heilkräutern fragten. Ich wollte es anders machen als die Mainstream-Apotheken.“ Er hält Vorträge über Heilkräuter, beliefert schon bald andere Apotheken. Die sonore Stimme, die nur sparsame Gesten benötigt, kann auf missionarische Übertöne verzichten. „Ich will nicht die chemische Medizin verteufeln. Bei ernsthaften Erkrankungen sind diese Präparate oft überlebenswichtig.“ Wer Peter Theiss zuhört, ahnt, warum er so erfolgreich ist........

 

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Klaas Huizing