Leseprobe Nachbarn Ausgabe 21
Gegen die Verrechnung von Geist und Kultur

- Akademiegang – gehen hier demnächst die Lichter aus? ©Eva-Maria Reuther
Ein Plädoyer für die Erhaltung der Katholischen Akademie Trier
„Das Besondere der Spezies Mensch
scheint es zu sein, dass er seinen eigenen
Abgang ahnen und wahrnehmen
kann und dass er, wenn auch
begrenzt, die Abkehr beeinflussen
könnte, wenn er seine Einsichtsfähigkeit
in Willen zur Tat umsetzte“,
schreibt der Ökonom und Kulturwissenschaftler
Peter Bendixen in
seinem Buch „Das verengte Weltbild
der Ökonomie“. Wer dieser Tage die
Pläne des Bistums Trier zur Schließung
seiner einzigen Akademie liest,
hat den Eindruck, dass das kirchliche
Streichgremium und die schließungswilligen
Betreiber weder diesen
bevorstehenden geistigen und
kulturellen Abgang wahrnehmen
noch ihn bislang in irgendeiner Weise
durch Einsicht abwenden wollen.
Die geplante Schließung der katholischen
Akademie Trier ist Teil der Sparpläne des
Bistums, die Minderausgaben von etwa 40
Millionen vorsehen. Dass gespart werden
soll, ist grundsätzlich nichts Nachteiliges
und wohl auch angesichts der Schieflage –
nicht nur des Trierer Bistumshaushaltes –
unumgänglich. Jeder weiß schließlich, dass
die menschliche wie kirchliche Konstruktion
der Wirklichkeit von realistischen und
funktionierenden wirtschaftlichen Konzepten
abhängt und erhalten wird. Um
das Erhalten werthaltiger Substanz geht
es gewiss auch dem Bistum. Dass man,
um diesen Substanz erhaltenden Zweck
zu erreichen, nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit
seine Mittel so sparsam wie
möglich einsetzt, steht außer Frage. Dass
man allerdings – wie im Fall der Akademie
– gleich vorhat, den Zweck selbst zu eliminieren,
ist kein Beleg für ökonomisches
Denken, sondern die geplante Liquidation
einer durch Grundrechenarten wie Addieren
und Subtrahieren nicht zu erfassenden
kulturellen und geistigen Substanz..............
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Eva-Maria Reuther




