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Saarland Online
 

Leseprobe Wissen Ausgabe 18



Eva-Maria Reuther: „Wir wollen uns auf die kulturelle Landkarte setzen“



Differdingen bei Nacht © Gemeinde Differdingen

Der Differdinger Bürgermeister Claude Meisch im Gespräch

Einst wohlhabender Standort der Stahlindustrie, heute vielfach Industriebrache:Die Situation der Gemeinde Differdange mit ihren rund 20.000 Einwohnern und ihrem hohen Ausländeranteil ist typisch für den Süden Luxemburgs. Mit einemschlüssigen „Konversions“ Konzept, in dem Kultur eine Hauptrolle spielt,will die Gemeinde die Zukunft meistern.

 

Von der Autobahn hinunter ins Hügelland der „Minette“, wie die französische Sprache zärtlich das sedimentäre Eisenerz nennt: Schnee liegt auf den Feldern und Wiesen um Differdange. Wie ein riesiges weißes Blatt, in das mit feinen Strichen das nackte Gehölz von Bäumen und Büschen gezeichnet ist, wirkt das winterliche Land. Als gigantische Skulptur erhebt sich daraus das  traditionsreiche Stahlwerk von Acelor-Mittal, in dem die berühmten „Grey Träger“ gewalzt werden, die bis heute die Hochhaus Skelette der Welt stärken. Jahrhundertlang hat das Erz die Gemeinde Differdange mit ihren fünf Ortschaften ernährt.

Bereits 1625 wurde die erste Eisenhütte im Gemeindeteil Lasauvage errichtet, dort stand auch der erste Hochofen Luxemburgs. Was Wunder, dass schon vor Jahren Bernd und Hilla Becher, die großen Archivare europäischer Industriekultur, mit ihren Fotoapparaten Differdange entdeckten. Nicht nur ernährt, für ein Jahrhundert hat das Eisenerz sogar für Wohlstand gesorgt.
Davon zeugen bis heute die kunstvollen historistischen Fassaden, die am
Weg durch die Hauptstraße hinauf zum Rathaus auffallen, und die sich augenfällig von den bescheidenen Arbeiter-Quartieren der Peripherie, unterscheiden, die wie Anhängsel der Industrieanlage wirken.


Alexander Mitcherlich hatte schon recht als er feststellte: „Menschen schaffen sich in den Städten einen Lebensraum, aber auch ein Ausdrucksfeld mit  Tausenden von Facetten, doch rückläufig schafft diese Stadtgestalt am sozialen Charakter der Bewohner mit.“................

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Eva-Maria Reuth