Schwerpunkt Ausgabe 18
„Haus der Ewigkeit“ Ein Gang über jüdische Friedhöfe

Jüdische Friedhöfe sind die dauerhafte Heimat Verstorbener, Bewahrer der unantastbaren Totenruhe und auf Ewigkeit angelegt. Weder dürfen die Gräber neubelegt noch die Grabsteine entfernt werden. Bei Platzmangel werden vorhandene Gräber mit Erde bedeckt und darüberweitere Tote bestattet. Die frühen Friedhöfe, jüdische wie christliche, lagen außerhalb der Stadtmauern,die jüdischen jedoch häufig auf gemiedene moder nutzlosem Gelände, abgelegenen Hängen, Waldesrändern. Erst im19. Jahrhundert erhielten Juden innerörtliche Friedhöfe, auch in der Nachbarschaft zu kommunalen. So wurde der erste Saarbrücker Judenfriedhof 1841 unmittelbar neben dem christlichen „AltenFriedhof“ angelegt.
Auf dem ältesten erhaltenen deutschen Friedhof, dem hügeligen „Heiligen Sand“ in Worms, finden sich Gräber von 1054 bis 1911. Von Efeu bewachsen, mit Blick auf den nicht weit entfernten Dom, sind sie gen Jerusalem ausgerichtet und unregelmäßig gruppiert. Manche versinken allmählich.
Da sich im Tode alle Menschen gleichen, haben auch die Grabsteine dasgleiche Format, hoch rechteckig und gerundet oder gerade abgeschlossen. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert stehen die Steine in geschwungenen, den Unebenheiten des Geländes angepassten Reihen und unterscheiden sich nur durch Inschriften und Bildsymbole.
Die auf der Vorderseite hebräischen, auf der Rückseite deutschen Texte sollten ein beständiges Andenken an den Toten bewahren. Familienangehörige hatten kein Recht auf Gräber in unmittelbarer Nähe zueinander. Die Plätze wurden von der „Chewra Kaddischa“, der Beerdigungsgesellschaft, zugewiesen.
Für herausragende Persönlichkeiten und Kinder gab es besondere Bereiche. Im 19. Jahrhundert waren dafür die Ehrenreihen direkt am Eingang vorgesehen, denn jetzt wurden auch die jüdischen Friedhöfe in Reihen und Felder eingeteilt und von Mauern oder Hecken umgeben. Die schlichten Sandsteine wurden durch aufwändig gestaltete klassizistischeFormen in schwarzem Basalt oder blankem Granit ersetzt. Obeliske, Vasenoder Säulestümpfe sind beliebt, auch werden Mausoleen Mode. Mit gusseisernen oder steinernen Einfassungen grenzen sich die Gräber gegeneinander ab. Wie auf christlichen Friedhöfen wurden Eingangstore und Trauerhallen erbaut, die oft einen sakralen Charakter erhielten. Nach1900 beauftragten gerade jüdische Gemeindendamit häufig avantgardistische Architekten. Auf dem neuen Saarbrücker Friedhof an der Metzer Straße baute Hans Weszkalnys 1929 einen Torbau, der 1962 um eine Versammlungshalle erweitertwurde.
Unter den Nazis wurden die jüdischen Friedhöfe geschändet, zerstört, eingeebnet. Viele konnten nach dem Krieg wiederhergerichtet und gerettete Steine aufgestellt werden, auf dem seit 1725 bestehenden Friedhof in Saarwellingen gerade 37 Steine. So ist auch die Geschichte der 16 jüdischen Friedhöfe des Saarlandes, wie die aller Friedhöfe, aufs engste mit dem Schicksal der Juden verbunden.
Marlen Dittmann




