Saarland Online
 

Schwerpunkt Ausgabe 17

S ’is Faasenachd!

Die närrischen Köpfe des Saarlandes

 

„S’is Faasenachd, S’is Faasenachd, die Kischelscher werre geback,
heraus damit, heraus damit, mer schdegge se in de Sack.“

So sangen wir als Kinder lautstark, wenn wir „verboozt“ durch die Straßen zogen, an den Haustüren klingelten und auf Süßigkeiten
oder „Gutzjesgeld“ hofften. Und um unseren Begehrlichkeiten Nachdruck zu verleihen, fügten wir rasch hinzu:
„Unn wenn mei Mudder kää Kischelcher
backt, dann peife mer uff die Faasenachd.“
Doch dann kamen schlimme Zeiten, in denen uns allen das Lachen verging.
Als der Krieg vorbei war, normalisierte sich das Leben wieder langsam. Da war es auch an der Zeit, dass sich die Narren regten und ihre Schellenkappen aus den Schränken holten. Jahrelang verlorene Fröhlichkeit kehrte zurück. Maskiert und kostümiert feierten die Saarländer ihre geliebte Fastnacht mit „Alleh hopp“ und humbatäterä. Gesellschaften, die schon hundert Jahre auf ihrem närrischen Buckel hatten und neu gegründete Vereine arrangierten landauf, landab Bälle, Umzüge und Kappensitzungen.

Zunächst holte man sich routinierte „Verstärkung“ aus dem Rheinland. Büttenstars wie Karl Küppers und Max Maul traten auf. Auch Heinz Schenk, der später Fernseh-Karriere als Wirt „Zum Blauen Bock“ machte. Doch die Saarländer hatten selbst genug Humor und Witz, ihre Sitzungen mit eigenen Kräften zu gestalten. So war über Jahrzehnte das Duo „de Ään unn de Anner“ närrischer Leuchtturm der heimischen Fastnacht. Heinz Johann und Walter Werner, die zunächst Einzelredner waren, fanden närrischen Gefallen aneinander und bildeten fortan ein Duo, das, auch via Fernsehen, weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt war. Trotz ihrer Büttenerfolge waren den beiden Star-Allüren fremd.

Die „M’r sin nit so“ und die „Grüne Nelke“ waren ihre Heimatvereine, denen sie immer treu verbunden blieben.
Wie alle anderen Büttenredner auch, musste sich das Duo in Akteursitzungen seine Reden von den gespitzten Ohren der Vorstandsmitglieder „zensieren“ lassen, denn – „von Zoten frei die Narretei“ – es wären eben nicht „de Ään unn de Anner“ gewesen, hätten sie nicht auch bei diesen Sitzungen für Heiterkeit gesorgt. Wohlwissend, dass man jede Pointe kritisch begutachtete, streuten sie absichtlich einige „anzügliche“ Witze ein, bei denen natürlich von vornherein klar war, dass sie für die Sitzungen gestrichen würden. Über die – dann auch oft gespielte – Entrüstung der Narrenrunde amüsierten sie sich köstlich.
Doch dieses Spielchen, das im Laufe der Jahre schon zum Ritual geworden war, blieb nicht ohne Hintergedanken. Die gestrichenen Pointen waren nämlich zugleich ein „Versuchsballon“ für Auftritte bei so genannten Herrensitzungen, auf denen es schon mal deftiger zuging.


„De Ään unn de Anner“ waren auch außerhalb der Bütt erfolgreich. Fünf Schallplatten, die zu großen Erfolgen wurden, nahmen sie im Laufe der Jahre auf. Und auch an Karnevalsschlager wagten sie sich heran. Mit Erfolg. Bei der närrischen Hitparade des saarländischen Rundfunks landeten
sie prompt auf Platz eins. Eine Erfolgsgeschichte also. Das Duo hat wegweisende Spuren in der saarländischen Fastnacht hinterlassen.

Eine Büttenrednerin der Spitzenklasse kam aus Klarenthal:

Alwine Schilz. Markenzeichen:


Breitkrempiger, mit Blumen verzierter Hut. Mit ihren Büttenreden begeisterte sie das Publikum, wo immer sie auftrat. Mitunter absolvierte die Vielgefragte
vier bis fünf Auftritte an einem Abend. Sie war zwar in jeder Bütt zuhause, hatte aber doch ihre speziellen Lieblingsbühnen.
Das waren die Säle, in denen die Gesellschaften ihre Senioren-Sitzungen durchführten. „Do bin ich dehemm“, sagte sie immer. Und nirgendwo wurde sie mit herzlicherem Beifall empfangen und verabschiedet, als bei diesen Sitzungen. Sie war schließlich eine von ihnen. Ein Kontrastprogramm zu Alwine lieferte das „Saabrigger Dachbladd“, Herausgeber und Vortragender war Wolfgang Köllin, von Beruf Journalist. Als Lokalredakteur war er ein intimer Kenner der Rathaus-Politik. Er glossierte und kritisierte die Ereignisse in seiner Heimatstadt, wobei aber auch ein liebevoller Blick nie fehlte. Wie heißt es doch in einem hiesigen Karnevalsschlager „Du mei lieb Saarbrigge, an mei Herz könnt ich dich drigge.“

Aber die Bütt allein bestimmte nicht den Ablauf der Kappensitzungen. Gesangsgruppen sorgten mit stimmungsvollen Liedern für weitere Höhepunkte im Programm. Bei den musikalischen Vorträgen bekam auch die Politik ihr närrisches Fett weg. So beispielsweise von den „Hoorische“aus Dudweiler, einem textlich und stimmlich hervorragenden Quartett mit langjähriger Fernseh-Erfahrung. Auf vielen Bildschirmen waren auch die „Gildesänger“ zu sehen, eine Gruppe schöner Stimmen. Ein Parade-Beispiel für saarländische Sangesfröhlichkeit lieferten die „Lupos“ aus Ormesheim, die mit ihrer Urwüchsigkeit immer wieder begeisterten.


Neben Bütt und Gesang setzte auch der Tanz optische Glanzlichter im Programm. Dabei wirbelten die Garden in schmucken Uniformen oder phantasievollen Kostümen über die Bühne. Zunächst, Anfang der 50-er Jahre, mehr als „Bühnenschmuck“ gedacht, sind die Gardetänzerinnen heute Leistungssportlerinnen, die das ganze Jahr über für ihre Auftritte trainieren und bei Turnieren und Meisterschaften auftreten.

Im nationalen Wettstreit der Besten waren die saarländischen Garden und Tanzmariechen oft auf dem Siegertreppchen zu sehen. Strahlender Höhepunkt jeder Sitzung ist der Einzug der Prinzenpaare. Viele Gesellschaften im Saarland feiern ihre prächtig herausgeputzten Tollitäten begeistert und sangesfroh bis zum Aschermittwoch. Auch die Kleinen haben ihren großen Spaß an der Fastnacht. Als Prinzessin, Rotkäppchen, Indianer oder Cowboys füllen
sie die Säle bei den Kinder-Kostümfesten bis auf den letzten Platz.
So hat sich die saarländische Fastnacht im bunten Narrentreiben auf der Glitzerbühne des Karnevals neben den Rheinischen Hochburgen eine Hauptrolle erobert. Darauf ein fröhliches

„Alleh hopp“.


Heinz Kölling

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