Saarland Online
 

Leseprobe Wissen Ausgabe 16

Kurt Bohr: Schluss mit der Gießkanne!

Wir brauchen eine bessere Koordinierung der Kulturpolitik im Saarland

Es erscheint paradox: Die Finanz und Wirtschaftskrise bescherte dem Saarland ein Konjunkturprogramm, an dem auch wichtige Kultureinrichtungen partizipieren. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte und die alte Sammlung des Saarlandmuseums präsentieren sich nach gründlicher Sanierung des Kreiständehauses am Saarbrücker Schlossplatz in neuem Glanz.

Alles in allem ein gelungenes Projekt, sieht man von den kritischen Bemerkungen ab, die aus Fachkreisen zu der modernen Verbindung zwischen Schlosskirche und Kreisständehaus geäußert wurden. Begonnen wurden auch ein mit 17 Millionen Euro veranschlagter Erweiterungsbau an der Modernen Galerie und ein Ausstellungsraum für die Hochschule der Bildenden Künste am Ludwigsplatz. An beiden Projekten wurde heftige Kritik insbesondere mit Blick auf die städtebauliche Einordnung geübt.

Zu bedauern ist in diesem Zusammenhang, dass der bei solch wichtigen kulturellen Vorhaben notwendige öffentliche Diskurs von den verantwortlichen Entscheidungsträgern nahezu ganz verweigert wurde. Neben dem in der Sache funktional grundsätzlich notwendigen Ausbau der Modernen Galerie – über Bauvolumen und situative Einordnung wird gestritten – soll für 3 Millionen Euro eine Kulturbibliothek gebaut werden. Allerdings konnte bisher niemand erklären, wofür diese Einrichtung gebraucht wird. Sehr zu begrüßen ist, dass die Landesregierung Mittel bereit stellt für die dringend erforderliche Sanierung und den Ausbau der Hochschule für Musik, eine der wichtigsten Kultureinrichtungen im Saarland mit langer Tradition, die zu den Leuchttürmen unserer Kulturlandschaft gehört.

Dieses Bauvorhaben genießt auch bei knappen öffentlichen Finanzen absolute Priorität, weil das Gebäude zwischen Theater und Moderner Galerie schwerwiegende Baumängel aufweist und in situ nach den Bedürfnissen des Lehrbetriebs nachweißbar erweitert werden sollte. Angesichts knapper Finanzen scheint es geboten, die für die wenig vordringliche Kulturbibliothek vorgesehenen Gelder zu Gunsten der Hochschule für Musik umzulenken.......

Kurt Bohr