Leseprobe Nachbarn Ausgabe 16
Patrik H. Feltes: „Mord ist schlecht“

Luxemburger Ausstellung stellt Fragen zu einem Tabuthema
Nicht erst seit wir CSI-Ermittlern in vielgesehenen TV-Serien über die Schulter schauen können, erfreuen sich die unterschiedlichsten Arten von Kriminalgeschichten so großer Beliebtheit. Ob Eifelkrimis, Dauerbrenner „Tatort“ oder die Fernsehklassiker „Stahlnetz“ der 60er Jahre: Das Thema Mord und Verbrechen interessiert. Ist es vielleicht die tiefere Schichten der menschlichen Seele ansprechende Sensation des Unerhörten oder die Mischung aus seltsamer Faszination und Abstoßung, die uns erschaudern und gleichzeitig doch mit einem Auge hinsehen lässt?
Was hat es auf sich mit ‚Mord und Totschlag‘ und den immer neuen Horrormeldungen in den Massenblättern und Online-Magazinen, die uns seltsam berühren? Eine Ausstellung widmet sich derzeit im Muséé d’Histoire de la Ville de Luxembourg einem der grundlegendsten Themen der menschlichen Gesellschaft: Mord, Tötungsdelikte und deren Bedingungen. Mit dem Untertitel „Eine Ausstellung über das Leben“ werden in 15 Räumen Themen wie Politischer Mord, Völkermord‚ Amoklauf, Serientäter, Morde die Soldaten begehen, bis hin zu Fragen nach Freitod, Euthanasie und Abtreibung bearbeitet. Die Ausstellung ist dabei Stoffsammlung und Denkanstoß zugleich, wenn sie die vermeintliche Wohnzimmer-TV-Distanz der inneren Schaulust am Verbrechen anhand von tatsächlichen Fallbeispielen illustriert und beim Besucher mehr als einmalein merkwürdiges Gefühl in der Magengegendhinterlassen kann.
Ein Hauch von „Aktenzeichen XY“ weht durch die ausgezeichnet gestaltete Ausstellung, deren multimediale Präsentationsform den Besucher immer wieder in Nischen und kleinere Räume führt, die unmittelbare Auseinandersetzungen z.B. mit Fragen der Tataufklärung oder dem Thema „Prävention und Kontrolle“ ermöglicht. In dieser Ausstellung werden die herausgearbeiteten Fallbeispiele mit Exponaten und Bildern ergänzt. So sind z.B. Originale der ursprünglich landwirtschaftlichen Werkzeuge zu sehen, mit denen Anfang der 90er Jahre in Afrika Hunderttausende Tutsis und Hutus sich gegenseitig abschlachteten. Diese Tatwerkzeuge hinterlassenein flaues Gefühl von Grauen aufgrund ihrer unmittelbaren Konkretheit und spürbaren Präsenz des Verbrechens. Überhaupt: Das Ausstellungsthema scheint in der Luft zu liegen.
Die Luxemburger Schau zu „Mord und Totschlag“ ist nicht die einzige Ausstellung, die sich in letzter Zeit dieser Thematik gewidmet hat. So zeigte eine Ausstellung der Wiener Nationalbibliothek im Jahre 2008 unter dem Titel „Blutige Geschichte(n)“ die Kulturgeschichte des Verbrechens und stellte dabei tatsächliche Verbrechen neben Beispiele aus Bibel......
Patrick H. Feltes




