Saarland Online
 

Leseprobe Kultur Ausgabe 16

Klass Huizing: "Der Hüttenzauberer"

Doris Ahnen, Ministerin für Bildung , Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland Pfalz © Ministerium

Interview mit Doris Ahnen, Ministerin für Bildung , Wissenschaft, Jugend und
Kultur in Rheinland Pfalz

 

1. Sie zeichnen seit 2006 für die Kulturpolitik in Rheinland-Pfalz verantwortlich. Was waren Ihre größten Erfolge?

In der Kulturpolitik ist es wie in anderen Bereichen der Politik: Entwicklungen, Veränderungen, Neuerungen brauchen Zeit und haben häufig viele Mütter und Väter. Nehmen Sie beispielsweise das Arp Museum Bahnhof Rolandseck, ein Projekt, das vor meiner Amtszeit als für Kultur zuständige Ministerin begonnen wurde. Lange Zeit kritisch beäugt, darf man mittlerweile wohl ohne Übertreibung von einer erfolgreichen Museumsneugründung mit überregionaler Strahlkraft sprechen. Das ist ein Verdienst vieler, die daran über Jahre mitgewirkt haben und noch mitwirken. Mit der Zusammenführung mehrerer bedeutsamer Kultureinrichtungen unter dem Dach der neugegründeten Generaldirektion kulturelles Erbe haben wir einen wichtigen Schritt getan, um beispielsweise die Schätze des Landes noch besser zu präsentieren. Auch hier gilt: mit der Gründung einer neuen Institution alleine ist es nicht getan. Die Arbeit fängt damit erst an. Aber wir sind da auf einem sehr guten Weg. Ich persönlich lege einen besonderen Fokusauf die kulturelle Bildung junger Menschen.

Eines der wichtigen Kulturprojekte dieser Legislaturperiode ist die Einrichtung von Jugendkunstschulen, womit wir 2008 begonnen haben. In den Jugendkunstschulen wollen wir Kinder und Jugendlichen die Bildende Kunst und den künstlerischen Einsatz moderner Medien heranführen. Dieses Projekt entwickelt sich sowohl von der Angebots- als auch der Nachfrageseite her sehr gut. Und vor wenigen Tagen konnte ich die Einrichtung eines Landeskunstgymnasiums ankündigen – ein weiterer Meilenstein.

 


2. Gibt es Einrichtungen oder Projekte, mit denen Sie nicht zufrieden waren?


Ich wäre keine gute Kulturministerin, wenn ich Ihnen auf diese Frage konkrete Beispiele nennen würde. Ob und wie kulturpolitische Projekte noch optimiert werden können, besprechen wir mit den Beteiligten. Klar ist aber: Es gibt Projekte, die etwas mehr Zeit brauchen, um sich zu entwickeln oder ihr Potential zu entfalten, als andere. Diese Zeit sollte man ihnen auch einräumen.


3. Wie würden Sie z. B. aus heutiger Sicht mit dem Projekt „Arp-Museum“ in Rolandseck umgehen und was halten Sie überhaupt von sog. Sammlermuseen?


Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist eines der schönsten Museen Deutschlands. Wir sind seitens des Landes hochmotiviert, daraus etwas zu machen. Nachdem wir im vergangenen Jahr die alleinige Verantwortung für das Haus übernommen haben, haben wir dafür auch die notwendige strukturelle und finanzielle Basis. Mein Eindruck ist, dass das Arp Museum Bahnhof Rolandseck auf einem richtig guten Weg ist. Die guten Besucherzahlen und die Wahrnehmung der Ausstellungen in den überregionalen Medien sprechen jedenfalls dafür. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck war von Anfang an so konzipiert, dass wechselnde Ausstellungen mit Werken von Hans Arp und Sophie Taueber-Arp zwar die Grundkonstante bilden, darüber hinaus aber Arbeiten anderer Künstlerinnen und Künstler gezeigt werden, um einen Anreiz zu geben, das Haus stets aufs Neue zu besuchen.

Und dann ist es ja auch so, dass wir mit der Sammlung von Dr. Dr. Gustav Rau eine der herausragenden privaten Kunstkollektionen weltweit haben. Dass das Arp Museum Bahnhof Rolandseck Teile dieser Sammlung bis 2026 als Leihegabe erhalten hat, ist für uns von unschätzbarem Wert. Die aktuelle Ausstellung mit Werken daraus zeigt, was wir da für Juwelen bekommen haben. Kurz und gut: Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist einer der beeindruckendsten Kulturorte in Rheinland-Pfalz. Den müssen auch Saarländerinnen und Saarländer gesehen haben.


4. Wir leben seit einigen Jahren mit einer wachsenden
Event-Kultur. Wie stehen Sie dazu und wie sehen Sie deren Zukunft? Kann ein Land sich damit noch profilieren?


Jedes Ereignis relativiert sich, wenn zu viele Ähnliches machen. Wenn man es aber schafft, inhaltlich und qualitativ für ein Alleinstellungsmerkmal zu sorgen, dann kann das entsprechende Event durchaus für ein Land bzw. eine Region von großer Bedeutung und Ausstrahlung sein. Ein gelungenes Kultur-Event ist wie der Feiertag, der sich vom Alltag abhebt.