Leseprobe Erinnerung Ausgabe 16
Burkhard Jellonnek: „Die gute alte Zeit des F ernsehens ist vorbei“

- Erfolg für den „Location Guide Saar Lorraine“: Pater Braun ins Saarland gelockt © Landesmedienanstalt
Der Chef der Landesmedienanstalt Saar, Gerd Bauer, über die Filmstadt Saarbrücken, den Kampf gegen die Windmühlendes Internets und eine Medienlandschaft im Umbruch.
Opus Kulturmagazin: Im Saarland ist man stolz auf das Filmfestival Max-Ophüls-Preis. Ist Saarbrücken für Sie, wie manch einer behauptet, eine Filmstadt?
Dr. Gerd Bauer: Auch wenn sich das Ophüls-Festival einen hervorragenden Ruf im Bereich des Nachwuchsfilms erworben hat, braucht es doch gehörige Anstrengungen, um Filmstädten wie Berlin, München oder Köln das Wasser reichen zu können. Die spielen in einer anderen Liga, aber auch wir können noch aufsteigen. Wohl nicht in die Weltliga, aber auch in einer regionaleren Klasse kann man eine super starke Position einnehmen.
Eine spürbare Filmförderung war im Saarland immer ein großer Wunsch. Filmschaffende sprechenvon einem viel zu kleinen Kuchen. Welche Chancen hat die Landesmedienanstalt, hat die Politik, dies zu ändern?
In der Tat sind die 70000 Euro verschwindend wenig im Vergleich zu den Fördertöpfen anderer Bundesländer. Aber mit unserer hochkarätigen Jury versuchen wir doch über diese Förderung ein deutliches Signal auch an Dritte, sprich weitere Sponsoren, zu senden, hier ein ambitioniertes Projekt zu fördern. Und nicht zuletzt kann man in der Großregion durch die immer besser werdende Zusammenarbeit weiteres Fördergeld in Lothringen und vor allen Dingen in Luxemburg abschöpfen. Wir ziehen inzwischen an einem Strang in der Großregion. Wir versuchen auch Finanzen aus der Bundesfilmförderung zu erhalten.
Stichwort „Location Guide Saar Lorraine“: Dahinter verbirgt sich ein digitales Verzeichnis möglicher Drehorte in der Großregion. Ist der Erfolgdieser Maßnahme bereits messbar?
Erste Reaktion waren die beiden unlängst im Saarland abgedrehten Folgen „Pater Braun“. Bei einem Produktionsteam mit durchschnittlich 50 Schauspielern und Mitarbeitern, die über 60 Tage vor Ort sind, ist buchstäblich Geld im Land geblieben. Wir müssen die ökonomischen Aspekte sehen, da müssen in der Politik noch dicke Bretter gebohrt werden. Das Land wird bei Dreharbeiten davon profitieren, nicht zuletzt sichert es auch Arbeitsplätze hier.
Welche Qualität hat eine solche Einrichtung, wenn unter Fußballstadion zwar das Ellenfeld in Neunkirchen, aber nicht der Ludwigspark und unter Kultur zwar das kleine Theater im Rathaus, aber nicht das imposante Staatstheater verzeichnet sind?
Oh, da müssen wir nachbessern! Wir hatten am Anfang mit den französischen Partnern vereinbart, jeder etwa 100 verschiedene Orte einzustellen. Mehr Geld war am Anfang nicht vorhanden. Wir haben mit dem Location Guide sehr viel Anerkennung gefunden – bis hin zur Berlinale in Berlin. Man kann bei diesem, hier im Hause entwickelten, mehrsprachigen Produkt über eigene Stichworte suchen. In dieser Form gibt es das noch nicht im Filmgeschäft.




