Saarland Online
 

Leseprobe Kultur Ausgabe 15

Klass Huizing: "Der Hüttenzauberer"

Generaldirektor Grewenig mit Hut und Volker Schlöndorff © Wolfgang Klauke

Wer durch das mächtig-übermächtige Gelände des Weltkulturerbes Völklinger Hütte streift, wer diese gigantische physische Erfahrung auf sich wirken lässt, wer den Schwindel übersteht, dem leuchtet der Titel Generaldirektor, den man für gewöhnlich mit kauzigen Schwarzweißfilmen aus Österreich verbindet, unmittelbar ein: das hier ist kein einfaches Museum, sondern ein riesiges technisch-künstlerisches Gesamtkunstwerk, und der Generaldirektor ist kein einfacher Generaldirektor, sondern ein Generaldirektor mit Visionen. Vom Altbundeskanzler Helmut Schmidt stammt der Satz, wer Visionen habe, der solle zum Arzt gehen. Ein gleichermaßen hübsches wie irreführendes Bonmot, denn den Visionen von Generaldirektor Grewenig wohnt ein Zauber inne, der  rezeptfrei Menschen und ganze Regionen verwandeln kann. Aber der Reihe
nach....

Wir sitzen an einem für diesen Sommer typisch schwül-warmen Tag im Arbeitszimmer des Generaldirektors, der heute keinen seiner berühmten Schals trägt, sondern ganz leger einen grünen Sommeranzug mit Poloshirt.
„Ich will Menschen berühren, nicht nur Kollegen beeindrucken.“ Ein klares Credo zu Beginn des Gesprächs. Meinrad Maria Grewenig, 1954 in Saarbrücken geboren, studiert nach seinem Abitur 1974 in Völklingen Kunstgeschichte,  klassische Archäologie, Philosophie, Erziehungswissenschaften und katholische Theologie in Saarbrücken und Salzburg. Wohl nicht zufällig tragen alle seiner drei Töchter wie er selbst Maria im Vornamen. (1998 wird er, durchaus konsequent, zum Ritter des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem geschlagen.) 1983 promoviert Grewenig mit einer Arbeit über den Akt in der deutschen Renaissance an der Universität Salzburg zum Dr. phil in den Hauptfächern Kunstgeschichte und Archäologie. Von 1984 bis 1992 arbeitet er im Saarland Museum Saarbrücken – zuletzt als Stellvertretender Direktor. 1992 wird er als Direktor an das Historische Museum der Pfalz Speyer berufen, ein Haus mit 16000 qm Ausstellungsfläche und 8000 qm Depot. Bereits in Speyer gelingt es ihm, Menschen zu berühren. Ausstellungen über Leonardo da Vinci, das Mysterium Wein, Napoleon werden Publikumsmagneten.

Diese erfolgreiche Wirkungsstätte Richtung Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu verlassen, war ein Schritt mit hohem Risiko: Funktioniert ein Museumsstandort in Völklingen??

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