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Leseprobe Erinnerung Ausgabe 14

Dagmar Gilcher: Le bon roi Stanislas

Gemälde von Jean Pillement (Musée Lorrain) © Rheinpfalz Bildarchiv

Einer der schönsten Plätze Europas trägt seinen Namen: die Place Stanislas in Nancy.

Und er, der den Auftrag zum Bau gab,würde sich vielleicht geschmeichelt fühle ,dass nun schon seit immerhin 1831 nicht mehr die Statue eines französischen Königs – Louis XV. – hoch zu Ross inder Mitte steht, sondern die seine: die des Stanislas Leszczynski, aus der Heimatvertriebener polnischer Exilkönig, letzter Herzog Lothringens und Schwiegervater jenes 15. französischen Ludwigs, dessen Mätressen, Dubarry und Pompadour,sehr viel bekannter wurden als seine ihm rechtmäßig angetraute Gemahlin Marie Leszczynska,die ihm immerhin zehn Kinder gebar.

 

Deren Vater hatte allen Grund, dem französischen König dankbarzu sein, schließlich hatte der ihm – nicht ohne Hintergedanken – das Herzogtum Lothringen anvertraut und damit aus der misslichen Lage des unerwünschten Exilantenund zweifach gescheiterten Königsbefreit. Weswegen der neue Platz inNancy zunächst auch den Namen „PlaceRoyale“ und in seiner Mitte das Denkmaldes Königs trug. Ein „merckwürdiges Leben und Schicksal“bescheinigte sein Biograph MichaelRanft dem am 20. Oktober 1677 imheute ukrainischen, damals polnischen,zwischendurch österreichischen, immer galizischen Lemberg (Lwiw, Lwów) geborenen Stanisław Bogusław Leszczyński.

 

Ranfts Werk erschien im Jahr 1735, kurz nach dem der unglückliche Pole gerade zum zweiten Mal vom Thron gejagt worden war – und ein Jahr, bevor er  auf Wunsch seines Schwiegersohns die Herrschaft im Herzogtum Lothringen übernahm. Der rechtmäßige Herrscher– Franz Stephan –ehelichte die Habsburgerin Maria Theresia, und hatte– weil Frankreich die österreichische Macht am Rhein fürchtete und – im Vertrag von Wien Lothringen gegen die Toskana getauscht. Ludwig XV. akzeptierte im Gegenzugden von Österreich favorisierten August III. von Sachsen als polnischen König, das Herzogtum Lothringen als „Beute“ vor Augen.......

 

Dagmar Gilcher