Leseprobe Kultur Ausgabe 13
Rainer B. Schossig: Die Galerie ist überflüssig; Perspektiven der HBKsaar

- © Iris Maurer
Erste Station meines Saarbrücken-Besuchsist die winzige Galerie St. Johann(www.galerie-st-johann.de). Hier – inmittenkammermusikalisch gehängter kleinerBilder – erwartet mich der Maler JoEnzweiler. Wir wollen über die StaatlicheKunsthochschule Saarbrücken sprechen;er ist Gründungsrektor, inzwischen imUnruhestand. Die Galerie St. Johann istnur einer von diversen Orten, wo Enzweilerbis heute an seinem „LebenskonzeptKunst“ arbeitet. 1989 baute er das bis heutetragende Doppel-Fundament der Hochschule:angewandtes und freies Gestalten.Zum überkommenen Kernbereich Industrie-Design trat 1989 freies künstlerischesGestalten als eigenständiger Fachbereich,mit Malerei und Skulptur sowie „NeuenMedien“. Enzweilers Vision war, mehrereHerausforderungen zugleich annehmen:die Randlage im deutsch-französischenGrenzland, die Nähe zur Schwerindustrieund den damals schon bedrohlich sich abzeichnendenStrukturwandel. Sein besonderesAnliegen: die Kunstvermittlung,Menschen zur Kunst bringen, Kunsterziehungund Hochschuldidaktik in der Regionverankern. Basis all dessen sollte eineGestalterische Grundlehre à la Bauhaussein. Nur zwei Jahre leitete Jo Enzweilerdie neue Hochschule; 1991 stürzte er sichwieder in die künstlerische Praxis. Heutemacht er sich Sorgen: An der Hochschulewerde dem Prinzip Künstlerisches Gestaltennicht mehr genug Aufmerksamkeitgeschenkt. Stattdessen gebe es zu vielequantitative und wissenschaftliche Ambitionen.
Rainer B. Schossig




