Saarland Online
 

Leseprobe Erinnerung Ausgabe 13

Burkhard Jellonnek: Kaiserkult und Bergmannskuh; Was die Saargeschichte Wechselvolles zu bieten hat

„Wir schließen in fünf Minuten!“ Eineebenso freundliche, aber robuste Stimmemischt sich in Otto Steinerts Dokumentarfilm„Stein auf Stein“, bringt die Kinopräsentationim Historischen Museum zueinem baldigen Ende. Die Zeit verrinntwie im Fluge, wenn man auf Zeitreise gehtdurch die Saargeschichte seit 1870 in denKatakomben des Saarbrücker Schlosses.Schnell gerät man in den Sog der Bilder,der Schaustücke, selbst wenn man diegroßen Linien der bewegten Saargeschichteseit dem deutsch-französischen Kriegherunterbeten kann und weiß, dass man esals Bürger an der Saar spielend leicht auffünf Pässe bringen konnte. Für das unsinnigeGemetzel im Deutsch-FranzösischenKrieg auf den Spicherer Höhen im August1870 stehen die schweren Eisenkreuze ausdem Neunkirchener Eisenwerk, deren unschuldigeOpfer später mit dem Glorienscheinder Heldenverehrung ummanteltwurden. Denkmäler wurden eingeweiht,der Kriegerverein St. Arnual stiftete einTrinkhorn und Carl Röchling, Abkömmlingder Stahl-Dynastie, überhöhte dieKampfszenen zum Heldenmythos. DerKaiser war buchstäblich Kult in dieserZeit, im Saarbrücker Rathaus hing mansogar unvollendete Gemälde von ihm auf.Die Fassade war glänzend, herausgeputzt,die Ausstellung belegt, dass derweil derAlltag der Menschen entbehrungsreichwar. Katholizismus, Frömmigkeit bis hinzur Marpinger Marienverehrung sorgtenfür Halt, hinzu kam die Verankerung ineinem regen Vereinsleben. Immerhin,am Aufstieg der Stahlbarone Stumm undRöchling profitierten die Bergleute durchden Erwerb von Eigenheimen mit großerEigeninitiative: Die Hütte war ein wichtiger„Rohstoff-Lieferant“, es wurde „organisiert“......

Burkhard Jellonnek