Leseprobe Wissen Ausgabe 12
Hannes Petrischak: Sonnenanbeter mit Sinn für Geschichte

- Mauereidechsen-Männchen in der Römerstadt Schwarzenacker, Photo: Petrischak
Jeder, der gern auf antiken Pfaden im Mittelmeerraum wandelt, hat sie schon bemerkt: Die flinken kleinen Eidechsen, die mancherorts bei jedem Schritt über die alten Gemäuer huschen. Ruineneidechse heißt folgerichtig eine in italienischen Ausgrabungsstätten häufige Art. Aber auch in unserer Großregion gibt es solch einen sonnenverliebten Wächter historischer Stätten: die Mauereidechse. Sie läuft über die römischen Hausfundamente von Schwarzenacker, rennt an den Festungsanlagen von Saarlouis senkrecht die Wände hinauf und wurde schon hoch oben auf der Saarburg bei der Insektenjagd gesehen. Wenn man sie aufscheucht, verschwindet sie blitzschnell hinter einem Stein oder in einem Mauerspalt. Doch neugierig streckt sie schon kurze Zeit später wieder ihren Kopf heraus und begibt sich, wenn die Gefahr vorüber scheint, wieder auf ihren Sonnenplatz. Dort spreizt sie gern die Rippen und drückt ihren Körper ganz flach auf den warmen Untergrund. Wer sich Zeit nimmt, sich ganz still verhält und auf ruckartige Bewegungen verzichtet, kann sich diese faszinierenden Tiere dann aus nächster Nähe anschauen. Jungtiere und Weibchen sind meistens grau-braun gefärbt, häufig mit hellen Längstreifen, die ihre Flanken zum Rücken und zum Bauch hin begrenzen. Die Männchen zeigen oft eine prächtige, netzartige Musterung. Auf Steinen sind die Echsen hervorragend getarnt....




